L e o T h e n n Jahrgang 1926 Pforzheim -Büchenbronn

 

 

Die Wahrheit für Deutschland und die Deutschen

 

- Zeitgeschichte im Spiegel von Zitaten - Nr. 88

 

„Was wir während des Krieges nicht begreifen wollten, haben wir nachträglich gelernt: Dass der Krieg nicht gegen Hitler, sondern gegen Deutschland geführt wurde.“

(Eugen Gerstenmaier (Widerständler), Bundestagspräsident 1954-1969, in der Frankfurter Allgemeine Zeitung am 21. März 1975)

 

Die bedingungslose Kapitulation sowie die Tage davor und danach

Großadmiral Dönitz (Nachfolger von Großadmiral Raeder), Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und Oberster Befehlshaber im Nordraum des Großdeutschen Reiches, erhielt in seinem Hauptquartier in Plön/Holstein am 30. April 1945 um 18,45 Uhr ein Telegramm aus dem Berliner Führerbunker. Der Reichsleiter Martin Bormann teilte darin mit, dass der Führer anstelle von Göring nunmehr Dönitz zu seinem Nachfolger bestimmt habe. Er solle alle notwendigen Maßnahmen treffen.

„Heldenkämpfe sind genug gekämpft worden“, sagte Dönitz zu seinem Stab. Der Krieg sei verloren und rasch zu beenden.

Von Hitlers Selbstmord am 30. April erfuhr man in Plön erst am 1. Mai 1945. Am Abend ließ Dönitz über den Sender Hamburg bekannt geben, der Führer sei „ gefallen“.

 

Dönitz versuchte durch Teilkapitulationen zu verhindern, dass große Teile des Ostheeres in sowjetische Gefangenschaft gerieten. Am 5. Mai um 8.oo Uhr unterzeichnete Generaladmiral von Friedeburg eine „Nordwestkapitulation“, die für alle Truppen in den Niederlanden, in Dänemark und in Nordwestdeutschland galt. Am 6. Mai trat für die Festung Breslau die Kapitulation in Kraft. Am 7.Mai 2.41 Uhr wurde im Reims die Gesamtkapitulation der Wehrmacht von Generalfeldmarschall Jodl, Generaladmiral von Friedeburg und dem General der Flieger Oxenius unterzeichnet.

 

Stalin bestand darauf, dass diese Zeremonie vor dem Oberkommandierenden in Deutschland General Schukow, in dessen Hauptquartier Karlshorst in Berlin wiederholt werden müsse. Deswegen flogen Generalfeldmarschall Keitel, Generaladmiral von Friedeburg und Generaloberst Stumpff nach Berlin. Die Zeremonie fand am 8.Mai 1945 kurz vor Mitternacht statt.

 

Eine winzige Enklave in Mürwik bei Flensburg war das letzte, von den Truppen der Alliierten nicht besetzte, Territorium des Deutschen Reiches. Nach der bedingungslosen Kapitulation amtierte hier noch 14 Tage eine Reichsregierung ohne Reich. Nach der bedingungslosen Kapitulation war Dönitz drauf und dran zurückzutreten. Doch die Minister Graf Schwerin von Krosigk und Dr. Stuckart argumentierten:

Reichspräsident und Reichsregierung sind die Verkörperung der Einheit des Reiches.

 

Als Churchill in einer Rundfunkrede von Dönitz als dem „designierten Oberhaupt des deutschen Staates“ sprach, entschloss sich Dönitz zu bleiben. Während der allergrößte Teil des deutschen Volkes noch nicht einmal von der Existenz einer Regierung in Flensburg wusste, fing man im Backsteinhaus von Mürwik an zu „regieren“. Insgesamt bestand die Geschäftsführende Reichsregierung aus rund 350 Personen einschließlich Sekretärinnen und Hilfskräften.

 

Man versuchte als Erstes die Ernährung der Bevölkerung zu steuern und den Verkehr wieder in Gang zu bringen.

Kurz nach der Kapitulation traf eine „Alliierte Kontrollkommission“ in Flensburg ein. Ihre Aufgabe war es, die Kapitulationsbedingungen zu überwachen. Der Umgangston zwischen Siegern und Besiegten war bis zu diesem Zeitpunkt höflich.

(„Drittes Reich und II: Weltkrieg“ von Dr. Christian Zentner, S. 474-476)

 

 

 

 

 

Die schmachvolle und entehrende Behandlung der Repräsentanten des Deutschen Reiches durch die Sieger im Mai 1945

 

Das Hauptquartier der „Alliierten Kontroll-Kommission“ war der, in der Förde von Flensburg liegende, zu einem Salonschiff umgebaute Passagierdampfer „Patria“. Die Leitung hatten Generalmajor Rooks (USA) und Brigadegeneral Foord (Großbritannien).Es entwickelte sich ein lebhafter Verkehr zwischen der „Patria“ und der Reichsregierung.

 

10. Mai 1945

Dönitz erhielt den Befehl die Reichskriegsflagge auf dem Dach des „Regierungsgebäudes“ einzuziehen. Rooks unterrichtete Dönitz, dass Generalfeldmarschall Keitel zu verhaften sei!

 

13. Mai 1945

Großadmiral Dönitz wurde klar, dass man ihm die seinem Rang gebührende Ehrenbezeigung entgegenbrachte aber nicht daran dachte, die deutsche Regierung als völkerrechtlich immun zu betrachten.

 

15. Mai 1945

Die Reichsminister Backe und Dorpsmüller wurden unter einem Vorwand in das Hauptquartier von Eisenhower eingeflogen und dort gefangen gesetzt.

 

20.Mai 1945

Die ausländischen Presseberichte wurden immer aggressiver. Es sei höchste Zeit Dönitz und Konsorten als Kriegsverbrecher festzusetzen, meinte die „New York Herald Tribune“.

 

23. Mai 1945

Dönitz, Jodl und von Friedeburg waren für 9,45 Uhr auf die „Patria“ bestellt. Ihnen gegenüber saßen Generalmajor Rooks, Brigadier Foor und Generalmajor Truskow. Rooks verlas ein Schreiben von Eisenhower, das die Geschäftsführende Reichsregierung, das Oberkommando der Wehrmacht sowie alle Angehörigen als auch das Staatsoberhaupt zu Kriegsgefangenen erklärte. Auf Rooks Frage, ob Dönitz eine Erklärung abgeben wolle, antwortete dieser nur „Jede Antwort erübrigt sich“. Bis jetzt war alles korrekt abgelaufen. Aber nun spielte sich ein unwürdiges Schauspiel ab:

 

Während Dönitz mit seinem Adjutanten Lüdde-Neuratz die Koffer packte, erschien ein britischer Captain mit einigen Soldaten und trieb zur Eile an. Das Haus wurde durchsucht und regelrecht ausgeplündert. Generaladmiral von Friedeburg vergiftete sich mit Zyankali.

Unter scharfer Bewachung wurde der Großadmiral mit seiner Begleitung zum Polizeipräsidium nach Flensburg gefahren. Dort fand eine sehr genaue Leibesvisitation statt. Währenddessen plünderten britische Soldaten das Gepäck des Großadmirals, stahlen private Wertgegenstände, Füllhalter, Zigarettenetuis und den Marschallstab!

 

Noch schlimmer erging es den Mitgliedern und Angestellten der Geschäftsführenden Reichsregierung: 10.oo Uhr morgens, die „Enklave“ wurde besetzt. In den Konferenzraum, in dem Graf Schwerin von Krosigk gerade die Vormittagssitzung abhielt, drangen britische Soldaten mit schussbereiten Maschinenpistolen ein, brüllten „Hände hoch!“ anschließend „Hosen runter!“ Alle Deutschen wurden gezwungen sich völlig auszuziehen! Dann wurde ihre Kleidung „gefilzt“ und alle Wertgegenstände entwendet. In einem anderen Raum mussten Offiziere und Sekretärinnen diese peinliche Leibesvisitation sogar gemeinsam über sich ergehen lassen - in Gegenwart von Journalisten!

Am späten Nachmittag ging es auf LKWs zum Flugplatz und von dort aus nach Bad Mondorf in Luxemburg in die Internierung

(„Drittes Reich und II. Weltkrieg“ von Dr. Christian Zentner, S. 476-479)

 

Noch nie in der europäischen Militär- und Kriegsgeschichte, hat eine Siegernation den tapferen Besiegten so entehrend, so schamlos, so primitiv, so niederträchtig, so beleidigend behandelt, wie es die Alliierten im Mai 1945 mit den Deutschen gemacht haben.

In der Nr. 61 dieser Historik Serie wird geschildert wie menschlich, wie edelmütig ,wie ritterlich, wie großherzig und fair Generaloberst Keitel, am 22.Juni 1940 im Wald von Compiégne den Waffenstillstand mit Frankreich abgewickelt hat.

(Der Verfasser)

 

wird fortgesetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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